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Fielmann und die Ortschaftsräte

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tobiesEs gibt zwei Dinge, die mich derzeit bewegen und die eigentlich nichts miteinander zu tun haben.

Kennen Sie die Fielmann-Werbung, die derzeit im Fernsehen zu sehen ist?

Ein Mann berichtet davon, dass er zuerst in einem Optiker-Fachgeschäft war, sich dort beraten ließ, sich Brillenglas und Fassung aussuchte und dann, auf Anraten eines Freundes, zu Fielmann geht, weil er dort die Gläser und die Fassung billiger bekommt.

Was dabei ganz unterschwellig verschwiegen wird:

Der Optiker nimmt sich Zeit für eine fachgerechte Beratung, erbringt Leistungen, die auch seine Zeit und letztendlich sein Geld kosten.

Und dann?

Dann geht der Optikermeister einfach leer aus, weil im Wissen um die notwendigen Dinge der brillensuchende Mann zu Fielmann geht.

Ja, Fielmann ist billiger.

Kann er ja auch sein, denn die Beratungsleistungen erbrachte ein anderer.

Ich sage einfach die Stärke der Brillengläser an, nenne den Hersteller der Brillenfassung und dann habe ich bei Fielmann viel Geld gespart.

Über kurz oder lang bleibt da jemand auf der Strecke.

Muss es bleiben und in meinem Beispiel ist es der Optiker „um die Ecke“.

Ist doch egal, ob er Leistungen erbringt.

Hauptsache, ich spare ein paar Euro.

Und vielleicht mag man sagen: So ist das eben heute.

Die Großen gewinnen, die Kleinen müssen ums Überleben kämpfen.

Genau in diesem Schema empfinde ich derzeit die Diskussion um die Einsparung von Ortschaftsräten in unserer Stadt und ich frage mich, was dies für uns und unsere Kirchengemeinden bedeutet und bedeuten wird, wenn es in den Dörfern rund um Roßlau nur noch zwei Ortschaftsräte geben soll.

In ähnlicher Weise haben wir als Kirche ja Erfahrungen auf diesem Gebiet.

So schlossen sich jeweils acht Gemeinden zur Epiphaniasgemeinde Weiden bzw. zur Martinsgemeinde Wörpen zusammen, sechs ehemalige Gemeinden bilden die Hoffnungsgemeinde Zieko.

Neben anderen Gründen waren auch finanzielle und personelle Aspekte ausschlaggebend für das Zusammengehen von Gemeinden.

Ein Unterschied zur jetzigen Diskussion in der Stadt ist, dass die Kirchengemeinden gemeinsam und freiwillig diesen Weg vorbereiteten und gingen und die Gemeindekirchenräte auch ihre Gemeindeglieder mit in die Diskussion einbezogen, was für mich jedenfalls in der jetzigen Ortschaftsratsdiskussion kaum ersichtlich ist.

Dies erzeugt Missmut und demotiviert die ehrenamtlichen und am Gemeinwohl interessierten Einwohner von Ortsteilen und es ist zu befürchten, dass sich dann engagierte Bürger aus ihrem Ehrenamt zurück ziehen.

Sicher, es wird weiter Ortschaftsräte geben, aber können sie das noch leisten, was für einen Ort wichtig ist und ihn liebenswert macht?

Und dabei geht es aus meiner Sicht viel weniger um finanzielle Dinge und Sitzungsgelder, die eingespart werden können, wobei die in der Diskussion stehende Summe eher eine Marginalie im Verhältnis zu den Summen, die in der Stadt für anderes ausgegeben wird, darstellt.

Wer wird sich bspw. um die Durchführung von Festen kümmern, wenn sich die Kommune immer mehr aus der organisatorischen Verantwortung zurück zieht oder zurück ziehen muss?

Soll dies alles an Vereine übertragen werden?

Und wenn ja, wozu sind dann noch Ortschaftsräte notwendig, wenn es immer weniger zu entscheiden gibt?

Wie soll es weiter gehen mit den Traditionen in den Orten?

Wie sollen bspw. die freiwilligen Feuerwehren ihre so wichtige Funktion für einen Ort beibehalten, wenn sie offensichtlich selbst teilweise zur Disposition stehen und ihre Arbeit doch weit mehr umfasst als die bloße Brandbekämpfung?

Und dann ist es ein bisschen doch so wie zwischen Fielmann und dem Optiker um die Ecke.

Die einen sollen vor Ort ehrenamtlich und mit minimalen finanziellen Mitteln ihr Engagement einbringen, das Entscheidende aber passiert ganz woanders.

Und wir Christen?

Wir Gemeindeglieder vor Ort?

Was kann und sollte unsere Aufgabe sein?

Ich denke, dass wir uns noch mehr am gesellschaftlichen Leben in unseren Orten beteiligen müssen, denn wir sind an die Menschen in unseren Orten gewiesen.

Wir sollten mit unseren Stärken und Mitteln noch mehr Mitgestalten versuchen, auch selbst Verantwortung übernehmen, damit unsere Dörfer liebens- und lebenswert bleiben.

Den Stadträten aber wird niemand die notwendige Abwägung und Entscheidung abnehmen können.