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Buchlesung: Alles was ich habe - ist keine Zeit

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buchlesungEin Tabuthema? Nein.

Ein Angstthema, ein Thema, dem wir lieber ausweichen? Mit Sicherheit.

Wenn der Tod erkennbare Formen annimmt, geht der Mensch auf Abstand.

Nur die unmittelbar Betroffenen können es nicht.

Betroffen sein heißt in erster Linie: Sterben.

Aber es gibt auch jene, die dabei begleiten, zusammenrücken  und nicht  vergessen.

Betroffen sein heißt auch: Bewahren. Eine solche Bewahrung ist das Buch von Doris Berger „Alles was ich habe - ist keine Zeit“.

Bei ihrer Lesung am 22. April 2009 in der Sakristei der Evangelischen Kirche Roßlau brachte sie den Zuhörern ein Stück ihres Leben so nahe, dass es fühlbar wurde; in Worten, die nur eine Mutter finden kann, die ihr Kind verliert.

Bei diesem Kind handelt es sich um ihre erwachsene Tochter Sandra, die selber schon eine junge Mutter ist, aber, wie Doris Berger sagt, ein Kind bleibt immer Kind.

Egal wie alt. Eine einfache, unumstößliche Wahrheit des Lebens.

Doch sie ändert nichts an der Diagnose Krebs, Überlebenschance: keine.

Wir erfahren, wie ein ganzes, noch erwartetes Leben zu einem halben Jahr zusammenschrumpft.

Ein Leben das ein Abschied wird, ein unglaublich schwerer Weg und der Wunsch der Tochter, das ein Buch daraus entstehen soll.

So geschehen.

Wir spüren, wie man zusammenrückt, sich neu erfinden muss, zurückstehen hinter Bedürfnissen, die im Moment alles andere überwiegen.

Zeit ist immer jetzt!

Mit allen Konsequenzen.

Doris Berger, ihre Tochter Sandra und die gesamte Familie erfahren dies auf eine harte, unabänderliche Weise.

Es gibt Versprechen, die gehalten werden müssen und ein Kind, das ohne Mutter zurückbleibt.

Und eine Mutter, die ohne Kind zurückbleibt.

Mit ihrem Buch unterstützt Doris Berger Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen.

Sie hat ein halbes Jahr lang ihre Tochter begleitet und vor Ort gesehen und erfahren, was nötig ist.

„Ein halbes Jahr, dass ich nicht missen möchte“, sagt die Autorin rückblickend.

Der Klang ihrer Stimme lässt erahnen wie viel Kraft es gekostet haben muss, das alles durchzustehen und dieses Buch zu schreiben.

Daraus nun vorzulesen, kostete sie noch viel mehr.

Es kostete Mut.

Und ich bin sehr froh, dass ich dabei sein durfte, um diesen Mut in gewisser Weise zu belohnen.