Evangelische Kirche in Rosslau - Stadt Dessau-Rosslau Evangelische Kirche in Rosslau - Stadt Dessau-Rosslau Evangelische Landeskirche Anhalts

Lebendige Gemeinde

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Gunnar SchugensWas verstehen Sie eigentlich unter den Begriff lebendige Kirche? Sicherlich haben Sie sich mit dieser Frage schon befasst. In der Vergangenheit waren sich alle Staatsideologen der DDR darüber im Klaren, die christliche Kirche althergebracht und musste nach deren Ansicht dem Verfall anheimfallen. Um diesen Prozess zu beschleunigen sollten die Gemeinden „ausgetrocknet“ werden.


Dieses war der Fachjargon, unter dem Druck auf Gemeindeglieder ausgeübt wurde, damit sie die Kirchzugehörigkeit aufkündigten. Einige haben diesem Druck standgehalten und die Kariere auf Spiel gesetzt, anderen war die Kariere wichtiger. Die Kirche aber hat diese Zeit überlebt.


Sogar im Lande Lenins hat die orthodoxe Kirche an Lebendigkeit gewonnen. Also könnte man davon ausgehen, dass christlicher Glaube jeglicher Konfession an Lebendigkeit unumstritten zu genommen hat und das unwiderruflich. Weit gefehlt, weil es neue Bedrohungen gibt.


In unserer Zeit, in denen der Mammon alle Lebensbereiche dominiert, und nicht menschliche Vernunft im Sinne der Botschaft Christi, ist die Lebendigkeit der Kirche weiterhin massiv bedroht. Und dieses scheint mir eine sehr ernsthafte Bedrohung zu sein. Bereits vor 2000 Jahren machte Jesus bei der Tempelreinigung (Joh. 2) auf diese Gefahr aufmerksam. Wir kennen diesen Bibelauszug: „Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus“. Und tatsächlich, die aktuelle Finanzkrise scheint unser aller Existenz zu bedrohen.

Eine Krise, die sachlich betrachtet nur durch Habgier und Skrupellosigkeit einiger Wenigen entstanden ist. Außerdem steht die Kirche selbst in Kritik. Das Forum „Lebendige Kirche in Hessen und Nassau“ wendet sich z.B. gegen die eigene Kirchenleitung. Es meint, im Zuge der Kirchenreform findet eine erhebliche Umverteilung von Ressourcen statt. Personal, Geld und Kompetenzen würden von den Gemeinden weg in die „Mittlere Ebene“ verlagert werden.


Was für eine Bedeutung hat das im Hinblick auf die Lebendigkeit der Kirche hier bei uns in Anhalt? Offen gestanden: Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich einen kühlen Kopf bewahre und mit den Antworten aus der Bibel meine Position in dieser Welt zu finden suche. Ich weiß weiterhin, dass in der Gemeinde kirchliche Lebendigkeit zu erfahren ist, wenn wir füreinander einstehen. So, wie es Paulus an die Galater schreibt: „Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal. 6,2).


Ein konkretes Beispiel aus der Roßlauer Gemeinde kann ich dafür bezeugen. In einer für den Gemeindechor schwierigen Situation stellte Herr Friedrich - trotz Alter und gesundheitlichen Beschwerden - sein Wissen und Können zur Verfügung. Die Gemeinde dankte es ihm im Erntedankgottesdienst mit Blumen, die ihm Pfarrer Tobies überreichte.


Spätestens an dieser Stelle, so vermute ich, liebe Gemeinde, hinterfragen Sie meinen Ausflug zum Thema „lebendige Gemeinde“. Ganz einfach: Wer zum Erntedankfest im Gottesdienst die Kinder, die Taufen, die Musik, den zwischenzeitlichen sportlichen Exkurs des Gemeindepfarrers von der Kanzel zur Empore und zurück erlebt hat, kann gar nicht an der Lebendigkeit der Kirche zweifeln. ... und Einigen war das schon wieder zu lebendig...