Tobies neuer Kreisoberpfarrer des Kirchenkreises Zerbst
Geschrieben von: Grit Lichtblau 09. April 2008
In einem Gottesdienst wurde Jürgen Tobies am Sonntagnachmittag als Kreisoberpfarrer des Kirchenkreises Zerbst eingeführt. Die Einführung in der Roßlauer St.-Marien-Kirche übernahm Kirchenpräsident Helge Klassohn (Bild links).
Nun ist es offiziell. Mit einem Gottesdienst am Sonntagnachmittag ist Pfarrer Jürgen Tobies in sein neues Amt als Kreisoberpfarrer des Kirchenkreises Zerbst eingeführt worden. Neuland ist es für den gebürtigen Naumburger indes nicht. Seit anderthalb Jahren führt er die Geschäfte bereits kommissarisch, nachdem im August 2006 der damalige Kreisoberpfarrer Thomas Meyer zurückgetreten war.
Tobies lebt seit 1999 gemeinsam mit seiner Familie in Roßlau. Eine Umstellung für den Mann, der eigentlich Großstadtluft gewöhnt war. Sechs Jahre sang er im Dresdner Kreuzchor, absolvierte anschließend eine Lehrausbildung zum Krankenpfleger in Halle, arbeitete später in Potsdam, studierte in Berlin Theologie. Nach seinem zweiten theologischen Examen arbeitet er zunächst als Religionslehrer in Werder an der Havel. Als er gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, nach Roßlau zu gehen, zögerte Tobies nicht, übernahm kurz darauf die zweite Pfarrstelle der Parochie Roßlau, später die erste.
An seine erste Begegnung mit der Schifferstadt erinnert er sich noch genau: "Es war ein Sonntagvormittag, ich hatte mir einen Gottesdienst angesehen, wurde gleich danach vom damaligen Pfarrer Pfennigsdorf zum Mittagessen eingeladen." Zudem habe er auf dem Marktplatz stehend die räumliche Nähe zwischen Kirche und Rathaus als sehr angenehm empfunden. "Allerdings hatte ich etwas mehr Geschäfte auf dem Marktplatz erwartet" sagt er heute lachend. Er fühlt sich wohl in Roßlau, sagt Tobies. Inzwischen wisse er auch um die Eigenheiten der Kirchengemeinden in Meinsdorf, Mühlstedt, Neeken, Rodleben und Roßlau, in denen er regelmäßig predigt. Trotz seiner neuen Funktion als Kreisoberpfarrer wird er diesen engen Kontakt zu den Kirchenmitgliedern weiter pflegen.
Rund 9 000 Mitglieder zählt der Kirchenkreis Zerbst, für den Tobies nun zuständig ist. "Die Kirche muss Freunde gewinnen", umreißt er ein für ihn wichtiges Ziele seiner künftigen Arbeit. Das müssten nicht immer Kirchenmitglieder sein. Es gebe viele Menschen, die sich engagieren, beispielsweise bei Kirchenführungen oder anderen Veranstaltungen. Ihre Arbeit sei unschätzbar und eng mit den Kirchen verbunden. Von diesen kirchlich engagierten Bürgern sollte es noch viel mehr geben, wünscht sich der Pfarrer.
Zudem müsse, angesichts schrumpfender Ressourcen die Arbeit mehr regionalisiert werden. "Dort wo die Kirche im Dorf ist, soll sie auch bleiben", versucht er Ängste zu nehmen, betont aber, dass bestimmte Angebote gebündelt werden müssten, nennt als Beispiel die Konfirmationen. Es mache keinen Sinn, in zwei, drei Orten jeweils zwei oder drei junge Menschen zu konfirmieren. Viel sinnvoller sei, sich in der Mitte zu treffen und gemeinsam zu feiern.
Er selbst sieht sich in seiner neuen- alten Funktion als Mittler und Verbindungsglied zwischen der Leitung der Evangelischen Landeskirche Anhalts und den Pfarrern vor Ort. Gleichzeitig versteht sich der 45-Jährige auch als Seelsorger.
Der Privatmann Tobies liebt Fußball, drückt "seinem Club" Babelsberg 03 schon seit Jahren die Daumen. Seine musikalischen Vorlieben liegen bei der klassischen Musik, vor allem bei den Werken von Heinrich Schütz. Aber auch Chormusik von Brahms und Bach sorgt im Hause Tobies für entspannte Stunden. "Hier haben mich die sechs Jahr im Dresdner Kreuzchor entscheidend geprägt", sagt der Vater zweier Kinder.
Beim gedruckten Wort bevorzugt Tobies Aufsätze und Literatur zur Ortsgeschichte. Sein biblischer Lieblingsspruch ist Psalm 27, Vers 4: "Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern: dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu betrachten." Seit mehr als drei Jahrzehnten begleitet ihn dieser Vers durchs Leben. Als kleiner Jungen habe er - begleitet von seiner Mutter - diese von Heinrich Schütz vertonten Zeilen seinem Vater zu einer Feierlichkeit vorgesungen. Erinnerungen, die der Pfarrer nie vergisst, die ihn auch künftig begleiten werden.






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